Die Straße, die wieder erstand
Über die Ankerstraat, die IJzer und eine Stadt, die das Wasser der Kapitulation vorzog.
Über die Ankerstraat, die IJzer und eine Stadt, die das Wasser der Kapitulation vorzog.

Die Ankerstraat verläuft einen kurzen Block landeinwärts von den Kais Nieuwpoorts, wo die IJzer auf die Nordsee trifft. Der Name klingt maritim, doch lokale Historiker erzählen eine überraschendere Geschichte: eine Fehllesung aus französischer Zeit des mundartlichen Angwerstraat, von handwerk, zu Ehren der Spitzenklöpplerinnen und Handwerker, die einst die Gasse bearbeiteten.
Im Oktober 1914 erreichte der Krieg die Küste. Um den deutschen Vormarsch zu stoppen, öffneten belgische Ingenieure bei Flut die alten Schleusen und ließen das Meer in die tief gelegene IJzer-Ebene. Die Flut hielt die Front vier Jahre, doch die Stadt dahinter wurde in Schutt geschossen.
„Sie gaben die Ebene dem Meer zurück, und das Meer gab die Front zurück.“
Als die Kanonen schwiegen, war von Nieuwpoort fast nichts übrig. In den 1920er-Jahren wurde es Straße für Straße in bewusst traditionellem Stil wiederaufgebaut, die Fassaden im warmen gelben Backstein der Region.
Nummer 23a entstand 1923. Hinter seinem späteren Rollladen soll es eine Zeit lang als Notmetzgerei gedient haben: eine schmale Tür zu einem Jahrhundert, das mitten durch diese Straße lief.